Für mich hat sich seit Anfang des Jahres 2010 einiges getan. Ich habe nicht nur wieder mehr Kontakt zu einem sehr guten Freund, sondern auch viele neue Leute kennengelernt. Wenn ich sage, wo (”in Twitter”), schmunzeln viele, teils mitleidig, teils unwissend. Sie kennen das neue Kommunikationsmedium nur aus den Nachrichten und wissen darüber ungefähr so viel wie über Google Street View oder IRC, sprich: gar nix. Aber… diese neuen Bekanntschaften haben mich gestärkt, mich sozial “lebendiger” gemacht, und das nicht nur in der virtuellen 140-Zeichen-Welt, sondern auch im vielgeschworenen “Real Life”. Und in dem passiert momentan einiges.
Nach 2 Jahren und 8 Monaten kehre ich zurück. Von Budapest, wohin ich einst entsandt worden war, nach Kelsterbach, wo ich in von nun an wohnen und (wieder) arbeiten werde. Mit der Rückkehr sind einige Veränderungen verbunden, die für sich alleine schon kleine Herausforderungen sein können:
- Neues Team mit für mich neuen Aufgaben und wahrscheinlich viel Arbeit, die auf mich zukommt.
- Zurück von der “Aussenstelle” Budapest in den Kern der Firma, sozusagen die Flurfunk-Zentrale.
- Neuer Wohnort (von der 2-Millionen-Metropole Budapest ins 13.000-Dorf Kelsterbach).
- Keine Schichtarbeit mehr, nach sehr vielen Jahren weg vom Arbeiten rund um die Uhr an allen Tagen der Woche zu dem bisher nicht unbedingt geliebten “9 to 5″.
- Von der Anonymität eines 7-stöckigen Mietshauses in ein 2-Familien-Haus.
Ich könnte nun also Nächte wachliegen oder verschwitzt aus Albträumen hochschrecken ob all der Unsicherheiten und Neuerungen, die sich in meinem Leben gerade abspielen. Könnte mich ständig fragen, ob das alles gut gehen wird und mich auf den Denk- und Tonfall jener einlassen, die vieles (oder gar alles) den Bach runtergehen sehen und mit dem Weltuntergang gar nicht bis 2012 warten wollen.
Alleine, es gelingt mir nicht. Nein, nicht nur das, ich will mich nichtmal anstrengen, es zu versuchen, in den “Schlimm-Schlimmer-Am Schlimmsten”-Kanon einzufallen. Warum sollte ich? Was würde es am Ergebnis ändern? Dies ist der Weg, für den ich mich entschieden hab, weil er mir für mein jetziges Leben als der interessanteste und praktischste erscheint. Klar kann es sein, daß meine Pläne schiefgehen, daß ich mit der 2-Familien-Haus-Situation nicht klarkomme, wegen der fehlenden Schichtarbeit das Geld nicht mehr reicht (was ich nicht glaube) oder die Ruhe meines Wohnortes mich erdrückt und ich mir die Hektk und den Lärm einer Großstadt zurückwünsche.
Und hier kommt ein eigentlich sehr guter Freund ins Spiel. Er, den ich schon sehr lange kenne, wirft mir (und das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen) “krampfhaften Lala-Rosa-Optimissmus” und “unrealistische Erwartungshaltungen” vor. Hui, das hat Dampf und Formulierungskraft.

Sein “Einwand” betraf vor allem meine berufliche Zukunft, was nicht verwundert, da er nicht nur in derselben Firma arbeitet wie ich, sondern wir auch vor meiner Entsendung nach Budapest jahrelang direkte Kollegen waren. Und nicht nur das, er war es auch, der mich vor 11 Jahren für “angeworben” hat. Der Jobwechsel war und ist sicherlich eine meiner besten Entscheidungen meines Lebens gewesen und dafür bin ich ihm noch immer dankbar. Ich bin ihm auch dankbar für das ein oder andere offene Ohr, das er hatte, wenn ich mit Problemen zu kämpfen hatte, wie auch diesen Sommer. Die Krise war nicht zu knapp, aber sie ist vorbei, gelöst und ich hab mich wieder aufgerafft. Ein gutes Zeichen, ein Erfolg.
Aber wie ist das mit meinen oben genannten Entscheidungen? Bin ich wirklich zu optimistisch? Fahre ich zu viele kalte Wasser auf einmal auf? Ich denke nicht, denn das ist beleibe nicht das erste Mal, daß ich in besagte kühle Gewässer springe und mich damit nicht nur wohlfühle, sondern auch konstant weiterentwickelt habe. Also wage ich es einmal mehr und bin dabei furchtbar heftig (in seinen Worten “krampfhaft”) lala-rosa-optimistisch.
Dabei sage ich Euch: Lasst Euch Eure Welt und Eure Entscheidungen nicht von den Griesgrämern vermiesen, von jenen, die vor allem das Schlechte in allem sehen und heftigst enttäuscht sind, wenn ihr nicht ihrer Schwarzmalerei folgt. Klar, in dieser “Gesamt-Welt” und den vielen kleinen Welten, die jeder einzelne von uns die seine nennt und darin lebt, geht vieles schief. Ja, unterm Strich passiert ziemlich viel Scheisse, es gibt böse Menschen, fordernde Situationen und schlimme Schicksale. Aber es liegt an uns, wie wir darauf reagieren, es liegt an uns, wo wir unsere Energie, unsere Kraft hineinstecken, ob in Ärgern und Verzweifeln oder darin, die Situation zu verbessern und für uns wieder lebensfähig zu machen.
Beim Fremdärgern ist es noch einfacher, also einer Situation, wo ich mich über etwas ärgere, was ein anderer tut, obwohl es mich eigentlich direkt gar nicht betrifft. Ich kann darüber schimpfen, mir die Haare raufen, mich immer und immer wieder “Wie kann der nur?” fragen, aber ich kann auch darüber schmunzeln, lachen oder von mir aus auch lästern (ein wunderbarer Weg, negative Einflüsse in positive Energie umzuwandeln), aber Hauptsache, ich lasse mir davon mein Leben nicht kaputtmachen oder mich in meinen Entscheidungen behindern.
Okay, die Welt ist schlecht - das ist ein Schluß, zu dem ich nach so manchen Beobachtungen durchaus komme. Denoch gibt es Inseln, kleine Welten von Freundschaften, Hoffnung und Freundlichkeit. Manchmal sogar Liebe. Auch, wenn das große Ganze den Bach runtergehen sollte (ich weiß ja nicht mal, ob es tatsächlich so ist) kann ich im Kleinen gut leben. Dazu tragen vor allem meine Freunde und Bekannten bei, die mir immer wieder neue Perpektiven zeigen, neue Fragen haben, neue Herausforderungen. Stillstand ist Rückschritt, also voran und ab in die wunderbare Welt des Lala-Rosa-Optimismus.
Und wenn mein pessimistischer Freund und ich am Ende Bilanz ziehen, so werden wir wahrscheinlich beide trotz mancher Krise diese Welt überlebt haben. Aber ich werde dabei mehr gelacht und mich an Dingen erfreut haben, die er nicht mal wahrnimmt. Vielleicht nur kleine Dinge, wie ein toller Wortwitz oder mein Möhre fressendes Karnickel. Aber was zählt, ist das Lachen und all die Chemie dahinter, die es in uns auslöst.
Ach ja, fast vergaß ich zu erwähnen, daß besagter Freund nach der Diskussion den Kontakt abgebrochen hat. Ich wollte halt seiner aus meiner Sicht grenzwertig paranoiden Sichtweise nicht folgen. Naja, Zeit für ein bisschen Lala-Rosa. Es ist schade, aber die Welt dreht sich weiter.
Was Probleme in meinem Leben betrifft, so werde ich davon wahrscheinlich nicht verschont bleiben. Weil ich selber Mist baue oder ein anderer es nicht gut mit mir meint. Aber solange ich nach dem Auf-die-Schnauze-Fallen wieder aufstehen kann und das Lächeln wie das Lachen nicht verloren habe, ist es gut. Dann kann ich auch in einer schlechten Welt feiern.
Hoch die Tassen!


























