Twitter und das Erdbeben
Obwohl seit fast zwei Jahren in Twitter angemeldet, habe ich erst vor ein paar Monaten angefangen, “richtig” zu twittern und fleissig anderen Leuten zu folgen. Schnell habe ich Leute kennengelernt, mit denen ich mich inzwischen täglich und nicht nur über Twitter austausche. Wir reden über Fotografie, spielen Carcassonne und fülosofieren, was das Zeuch hält. Ein faszinierendes Konzept von “Social Networking”, welches auch Firmen und Spammer langsam für sich entdecken.
Diese Nacht, in der ich zufälliger- und glücklicherweise gearbeitet habe, zeigte sich mir Twitter noch von ein einer anderen Seite. Einer, die ich bisher nur aus Berichten und Erzählungen anderer mitbekommen habe… als rasantes Informations-Weiterverbreitungs-Medium.
Um 2:42 Uhr lokaler Zeit gab es im Rhein-Main-Gebiet ein Erdbeben der Stärke 3,7. Nicht viel für internationale Verhältnisse, aber die eher erdbebenunerprobten Südhessen waren beeindruckt bis erschreckt. Direkt nach dem Ereignis, dem anscheinend auch noch ein lauter Knall vorausging, rief mich ein Kollege an und erzählte mir, daß nach einem plötzlichen Knall Wände und Türen gewackelt hätten und er sich nicht sicher sei, was da gerade passiert sei. Das weckte nicht nur persönliches, sondern auch fachliches Interesse, arbeiten wir beide doch für Lufthansa Systems, er in Kelsterbach in direkter Nähe zum Frankfurter Flughafen und ich in Budapest. Unsere Aufgabe: Überwachung der Server und Netzwerke und Handling eventueller (Groß-)Störungsfälle. Da ist man nach einem solchen Ereignis natürlich doppelt alarmiert und lechzt nach Informationen und Details.
In diesem Moment kam mir die Idee, doch mal in jenem Netzwerk zu suchen, das inzwischen mein tägliches Zuhause geworden ist. Und siehe da… schon kurz nach dem Ereignis gab es ein Dutzend Tweets (Nachrichten) zum Stichwort “Erdbeben” von Leuten aus Frankfurt und Umgebung. Sie berichteten von den eigenen Erlebnissen und Ängsten, von der Überraschung eines Erdbebens in Rhein-Main, steuerten aber auch Links und andere Infos bei.
Ein Twitterianer mit Beziehungen zum Geologischen Institut der TH Darmstadt steuerte wenig später Diagramme bei, andere verlinkten ein Online-Presseportal oder Meldungen der Seismischen Institute [1] [2].
So wurde die Ungewissheit darüber, was genau man denn da erlebt hat, zur schnell bestätigten Gewissheit. Zum Glück ist zumindest bei uns im Netzwerk- und Serverbetrieb alles glimpflich ausgegangen, daher konnte ich die kleine “Aufregung” eines Erdbebens in Frankfurt richtig auskosten, wenn auch gerade 1000 Kilometer entfernt.
Was mich neben der ganzen Erdbeberei aber am meisten begeistert hat, war die Geschwindigkeit und Vielfältigkeit, mit der die Twittersphäre selbst nachts um viertel vor Drei auf ein solches Ereignis reagiert. Im Nu war es möglich, andere an dem gerade Erlebten teilhaben zu lassen oder Berichte aus erster Hand zu lesen. Und das in Minutenschnelle. Aber nicht nur das… selbst wenn ein Nachrichtenmedium diese Schnelligkeit erreichen könnte, würde noch immer der Rückkanal fehlen. Hier aber kann ich die “Reporter vor Ort” direkt anschreiben, nachhaken, Details einholen. Und auch das fast unmittelbar, im Minutentakt.
Dabei schalten sich auch andere ein, denn die Kommunikation ist ja nicht mailmässig 1 zu 1, sondern 1 zu viele. Auf der einen Seite sehen all jene meine Beiträge, die mir sowieso schon folgen, aber auch alle anderen, die in Twitter gerade nach dem passenden Stichwort (hier natürlich “Erdbeben”) suchen. Dazu werden die Tweets mit sogenannten Hashtags versehen (#Erdbeben), die eine schnelle Indizierung ermöglichen. Dadurch, und durch das sogenannte “Retweeten”, also das Wiederholen von Meldungen anderer an den eigenen Empfängerkreis, gewinnt Twitter eine unglaubliche Dynamik und Geschwindigkeit, die ich diesmal live und als “part of it” miterleben durfte. Dieser Comic veranschaulicht sehr schön das Verhältnis von Twitter und Erdbeben.
Fazit: Die alten Medien sind nicht tot. Aber sie ächzen schwer. Da ich gerade erst mit einem Freund an einem Vortrag zum Thema “Mediennutzung aus Sicht eines Digital Native” mitgearbeitet habe, bin ich für das Thema zwar sensibilisiert, aber doch noch etwas theoretisiert. Diese Nacht hat mir nun einen wahrlich grandiosen Einstieg in das Echtzeitverhalten sozialer Netzwerke gebracht, den ich so schnell nicht vergessen werde.
Viva Twitter!
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Juni 29th, 2010 at 07:37
Biete doch deinen RSS-Feed mal in voller Länge an
Gruß
Juni 29th, 2010 at 09:34
Oh, den findest Du in Menü links, aber hier gerne nochmal: http://www.schaf.de/wp/feed/
Oder meintest Du jetzt, ich sollte den in den Social Networks herumstreuen… na, ich denke, wer den Feed tatsächlich sucht, findet ihn.
Danke schön.
Juni 29th, 2010 at 15:16
Jap das denke ich auch, aber als der Artikel heute Morgen in Reeder auftauchte, war er ohne Bild und stark gekürzt, so musste ich extra aus die Webseite, finde ich besser, wenn der RSS-Feed den kompletten Artikel beinhaltet
Nur als kleine Anregung..
Juli 15th, 2010 at 15:10
Ich habe über twitter vom Tode von Michael Jackson erfahren. Und das knappe 2 Minuten schneller als über CNN!!!