Was ist so toll am iPad?

Als ich das erste Mal während der Januar-Keynote das iPad sah, war meine Reaktion “Was in aller Welt ist DAS denn? Ein zu gross geratener iPod touch?”. In der Tat ist das auch heute noch ein häufiger Kommentar, der jedoch bei Apple-Ignoranten kaum verwundert. Aber bei einem Apple-Fanboy wie mir?

In der Tat bringt das iPad im Vergleich zum iPhone oder iPod touch kaum etwas Neues. So gut wie alles, was man heute mit dem iPad erledigen kann, beherrschen bereits die kleinen Brüder. Schlimmer noch: Das iPad hat nicht einmal eine Kamera, man kann weder damit telefonieren noch SMSe schreiben. Was also macht Teil so anziehend?

Ganz einfach: Size matters!

HomescreenStellt Euch vor, Ihr lebt in einer kleinen Wohnung. Der Platz ist beengt, aber dank einiger Tricks habt Ihr es Euch ganz gut eingerichtet und könnt so manche Annehmlichkeit geniessen, die man der kleinen Behausung auf den ersten Blick gar nicht zugetraut hätte. Plötzlich kommt jemand daher, reisst eine Wand nieder und auf einmal habt ihr das sechsfache an Platz, einfach so. WOW, was ein Unterschied! Ihr müsst nicht mehr rumimprovisieren, sondern könnt Euch einfach breit machen, Eure Möbel neu stellen, müsst nicht mehr alles übereinander lagern oder hin- und herschieben, sondern geht einfach in die Breite.

Wer es schon angenehm und einfach fand, auf dem iPhone zu surfen oder ein Filmchen anzusehen, in Fotos zu stöbern oder seine Mails zu bearbeiten, wird von den Möglichkeiten des iPads begeistert sein. Alleine durch die Größe des Displays vervielfacht sich der Spaß beim Lesen und Bedienen, ohne wie bei einem Notebook gleich potentiell unhandlich zu werden. Auch wenn das iPad einen Hauch schwerer ist als ich beim ersten Anblick erwartet habe, habe ich mich schnell an Gewicht und Form gewöhnt und will mein Paddie nicht mehr missen, sei es am Schreibstisch, auf dem Sofa oder im Bett. Ich fühle mich an Szenen aus StarTrek erinnert, wo Captain Picard eins dieser knuddeligen kleinen “elektronisches Notizbrettchen” überreicht wird mit irgendwelchen Missionsdaten oder Schichtplänen. YAY! Genau so etwas halte ich gerade in der Hand, und daß über 300 Jahre zu früh! Zukunft matters!

Für die nativen iPad-Apps haben die Entwickler die GUI-Elemente oft neu angeordnet und den Platz damit besser genutzt. Was vorher umständlich versteckt war, kann nun nebeneinander dargestellt werden, z.B. die Übersicht der Mails neben den eigentlichen Inhalten. Das klingt banal, birgt aber viel Spaß und Erleichterung, weil man nicht mehr dauernd mit irgendwelchen Provisorien und häufigem Rein- und Rauszoomen auf dem iPhone konfrontiert wird.

Von der Größe profitieren auf jeden Fall die Standardprogramme wie Kalender, Kontakte oder Mail. Sie nähern sich damit ihren Pendanten auf dem Mac an, bleiben aber trotzdem simpel und überschaubar.

Kalender

Videos schauen macht auf dem iPad richtig Spaß, nicht nur wegen der Bildschirmgröße, sondern weil das iPad dabei gleichzeitig handlich bleibt. Damit kann ich mich auch mal im Bett auf die Seite hauen, das iPad neben mir (die Rotation läßt sich im Gegensatz zum iPhone abschalten) und loslegen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich mir ein lokal gespeichertes Video anschaue, eine Podcast-Folge oder mich von YouTube bzw. dem heimischen AirVideo-Server beliefern lasse, der mir fleissig die Filmchen vom Mac oder NAS streamt (und dabei noch konvertiert)

YouTube

Podcasts

Fotos ansehen auf dem iPad ist einfach klasse. Durch die schnelle und intuitive Bedienung macht es richtig Spaß, vom “Pinchen” (Auf- und Zuziehen eines Fotostapels) oder vom Reinzommen kann ich gar nicht genug bekommen (no Chance on iPhone). Die Applikation läuft ausgesprochen flüssig. Und wenn ich mal keine Lust auf aktives Fotosurfen habe, stell ich das iPad in die Ecke und lasse eine Diashow laufen… der perfekte digitale Bilderrahmen.

Fotos

Wie kamen eigentlich Menschen auf die Idee, wunderbare Webseiten mit jeder Menge Info und Unterhaltung zusammenzuschrauben, um diese anschliessend auf ein kleines Handydisplay zu quetschen? Das ist ungefähr so unsäglich wie Faxen im 21. Jahrhundert. Surfen im Netz braucht Platz und den bietet das iPad, bleibt dabei (ich wiederhole mich) handlich wie das schon beschworene StarTrek-Pad.

SPO

Eine häufig genannter Punkt der selbsternannten Kritiker ist die Geschlossenheit des Systems (womit jene durchaus nicht Unrecht haben), aber diese Geschlossenheit läßt sich aufbrechen mit den vielen Dateiverwaltungsprogrammen wie AirSharing, EZShare etc. Mein absoluter Favorit ist der GoodReader, mit dem ich mir Dateien aus den verschiedensten Quellen (WLAN, Internet(Browser), Mails, FTP, DAV, iDisks, S3 etc.) aufs iPad schaufeln und anschauen kann. Danke der Größe mit einer bequemen GUI.

GoodReader

Für Twitter ist das iPad mittlerweile mein “Standard-Device” geworden (dank des hervorragenden Clients “Osfoora”), aber auch Facebook macht Spaß, da es ja im Prinzip nicht viel mehr als browsen ist. Beim Messenger bin ich noch etwas zögerlich, zwar gibt es mit Beejive IM einen guten Client mit Push Notification, aber das Hin- und Herswitchen nervt noch etwas. Hier braucht es entweder iOS4 (für’s iPad im Herbst) oder einen guten App-Switcher für den “Backgrounder”.

Osfoora

Sehr schön zum bequemen Lesen aber ist das iPad für die tägliche Dosis Freud und Leid in der Welt. Neben dem Browser (z.B. für SPO) gibt es eigene Apps, z.B. für die “Welt” oder “Focus”. Und natürlich für eine ganze Reihe internationale Magazine. Und wer richtig tief in das “gedruckte” Wort einsteigen will, findet jede Menge eBooks zum Lesen, von spannenden Romanen über Sachbücher bis hin zu jedem beliebigen PDF, daß in der aktualisierten version der iBooks App dargestellt werden kann.

Welt

Sogar Office-Applikationen gibt es für’s iPad, zum Beispiel die abgespeckten Versionen der Mac-Programme Pages (Textverarbeitung), Keynote (Präsentation) und Numbers (Tabellenkalkulation). Auch wenn Bedienung und Umfang nicht mit dem Mac vergleichbar sind, reicht es doch, um unterwegs mal einem Text, einer Tabelle oder einer Präsentation zu schleifen. Wer will und Platz hat, macht sich die Arbeit durch Verwendung einer (Bluetooth-)Tastatur noch einfacher.

Auch zum schnellen Fernsteuern eignet sich das iPad, sei es per SSH (für die Server- und Kommandozeilenfreaks) als auch per VNC, Teamviewer, LogMeIn oder den Wyse RDP-Client.

LogMeIn

Zu guter Letzt seien – freilich – noch die Spiele erwähnt, die auf einem großen Display natürlich viel schöner zu spielen sind. Mit dem Accelerometer hat das iPad (wie seine kleinen Brüder) neben dem Touchscreen eine sehr interessante Steuerungsmöglichkeit, die sichi für Geschicklichkeits- und Balancierspiele geradezuanbietet.

Carcassonne

Fazit: Das iPad ist eben doch kein grosser iPod touch, es ist aber auch kein Macbook… es ist einfach ein iPad und besetzt damit eine bisher unausgefüllte Nische, die aber enorm viel Spaß macht und vieles – wenn auch nicht alles – der kleinen und großen Brüder übernehmen kann. Es ist in meinen Augen kein Standalone-Produkt (obwohl das durchaus funktioniert), sondern eine wunderbare Ergänzung des heimischen Desktops oder mobilen Macbooks. In der Hängematte, im Bett oder auf dem Sofa will ich eben nicht umständlich viel Zeug mit mir rumschleppen, auch nicht im Cafe, am Strand oder in der Bahn. Wer nicht gerade “professionellen” Tätigkeiten nachgehen will wie Photoshoppen oder Dokumentationen schreiben, kommt im Alltag mit dem iPad als ständigem Begleiter wunderbar zurecht.

Ich will es jedenfalls nicht mehr missen.


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