WasFrisöre können…

Am 21.August.2005 schrieb elmar in Elmars Spitzen Keine Kommentare »

…können nur Friseure. Möchte uns ein neuer Zeitgeist-Werbespruch weismachen. Naja, so neu ist er nicht mehr, zugegeben. Aber an Substanz kann er es leicht mit “Weisser geht’s nicht” oder “Bringt verbrauchte Energie sofort zurück” aufnehmen. Schauen wir doch einmal, was uns diese Worte sagen wollen.

Dem geneigten und daher meist schon routiniert zugewerbten Leser eröffnet sich sofort die gesamte Bedeutungsschwere: Nur ein Frisör ist in der Lage, mein kostbares Haargut angemessen zu beschnippeln. Einleuchtend, oder? Aber bei genauem Hinsehen entpuppt sich dieser Satz als recht fragwürdiges Eigentor.

“Was Frisöre können”. Nun, nehmen wir mal den deutschen Durchschnittscoffieur. Der kann waschen, legen, fönen, färben und ein paar Supi-Viva-Dauerwellen in das Struppzeuch zaubern. Ausserdem aber, so vermute ich mal, kann er vielleicht noch ein wenig kochen, Auto fahren, lesen und Geschlechtsverkehr machen. Und das, liebe Leser, soll nun den Frisören vorbehalten bleiben??? Da möchte ich aber mal dolle protestieren!!! Das kann ich abba auch! Und überhaupt ist es natürlich eine arrogante Anmassung, pauschal alle Nichtfrisösissinen von der Kunst des Haarzauberns ausschließen zu wollen. Schließlich gibt es ja noch Naturtalente.

Selbst, wenn wir diesen faux-pas mal beiseite lassen, verspricht der Satz der Frisöre noch immer keinen durchschlagenden Erfolg. Er beinhaltet nämlich keinerlei Aussage darüber, WAS die Frisöre denn eigentlich so alles können. Was bedeutet, daß die Menge der stümperhaften Friseure, die viel lieber Kinokarten abreissen sollten, bei “Was Frisöre können…” vollkommen aussen vor bleiben. Der Satz kann seine Friseurgültigkeit behalten und ist denoch kein Widerspruch zu all denen, die mir meine Haare bis jetzt immer so geschnitten haben, wie es gerade NICHT wollte. Kommt Ihnen das nicht bekannt vor?

Jaaa, ich höre sie schon rufen, die Ewighappysupertrottel. “Der will uns ja nur unsere schöne Werbung madig machen”. “Besserwisser”. “Haarspalter”. Ohh… jawoll! Das kann keine Frisörette so gut wie ich, hihi. Iss schon gemein, mit den Spielverderbern, wenn sie einem nun noch diese drollig lustigen Werbesprüchlein vermiesen wollen und gleich mitte Verbalfaust auffe Tisch haue tue, gell.

Ja, aber so kommt’s, wenn man der Volkesdummheit einmal zu viel nach dem Wortschatz schwätzt. Simpel geht schnell ein und schwimmt nett an der Oberfläche, läßt aber jeden satirischen Tiefgang vermissen. Oder sollte das etwa alles nur ein Spass gewesen sein?

Na, DANN wissen die Haarkünstler wenigstens, wie es um sie bestellt ist und ich schüttele Ihnen fleissigst die Hände. Wir sehen uns im Kino!

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Von den musikalischen Prostituierten aus Südamerika

Am 21.August.2005 schrieb elmar in Elmars Spitzen Keine Kommentare »

Einst gab es eine Zeit, in der ein Lied names “El Condor Pasa” durch alle Fußgängerzonen der Welt (und womöglich noch der angrenzenden Planeten) schallte. Südamerikanische Flötisten in prächtigen Landestrachten präsentierten auf Frankfurts Zeil und ihren Ablegern das, was der Durchschnittsdeutsche für das Paradebeispiel peruanischer Folklore hält. Zumindest schien es dem ziemlich nahe zu kommen und wer sonst hätte diese europäisierte Form südamerikansicher Musik authentischer darbieten sollen. Der Bob Dylan-Abklatsch mit der verwelkten Blume im fettigen Haar? Die beiden Querflötistinnen (Annegret und Charlott) der hiesigen Hochschule für Musik? Der Zigeuner auf seinem Akkordeon? Nein, “El Condor Pasa” gehörte zu den Peruanern wie deutscher Pubertären-Schmalz zu Pur.
Doch die Zeiten ändern sich…
Wenn ich heute über die Zeil – Deutschlands umsatzstärkste Einkaufsmeile – schlendere, ist da nichts mehr von “El Condor Pasa”, keine folkloristischen Flötentöne aus den Anden, kein musikalisches Erklimmen der Freiheitsgrenze jenseits der 2000 Höhenmeter… Stattdessen seiern mir peruanische Versionen von “Wind of Change” oder “My heart will go on” entgegen, zurechtgestutzt und angepasst auf die Hörgewohnheiten mitteldeutscher Kunstgefühlskonsumenten, die angesichts der tränendrüsendrückenden Klänge für einen Moment im Kaufrausch innehalten, sich ein wenig durch die Emo-Schleuder drehen lassen und anschließend geläutert und mit einem seltsamen Lächeln auf dem Gesicht weiterlaufen.

Nein, nichts gegen Titanic, ich war ebenso ergriffen wie der leidende Rest mit mir und habe um Leo geweint, als er in die Tiefen abrauschte, aber wie sich eine wenigstens in Resten noch folkloristisch angehauchte Gruppe von Strassenmusikanten nun die letzten Fetzen Identität weghurt, von 7 Live-Musikern auf 2 bis 3 im Halbplayback zusammenrationalisiert, das ist nicht nur ein Armutszeugnis, es beweist auch einmal mehr, daß Profit (auch auf der Strasse) nur noch mit Einheitsbreimassenware zu machen ist. Damit sind die Peruaner von ihren musikalischen Wurzeln inzwischen ungefähr so weit entfernt wie der Energie-Super-Power-Traubenzucker-Schoko-Drink von einer weißen Flüssigkeit namens Milch.

Da lobe ich mir doch die Russen. Die packen zwar nicht gerade die Balakaika aus, tarnen sich aber auch dafür nicht mit dem Deckmäntelchen der Folklore, sondern machen einfach handwerklich gute Musik mit Spass, ob es sich nun um Klassik, Swing oder Bossa Nova handelt. Wenn es ein “Quentchen zu perfekt” ist, kann mensch fast davon ausgehen, daß hier Musiker aus der Ukraine, Russland oder einem anderen Teil der ehemaligen SU vor einem stehen. Darum ein Lob auf die Russen!

Qualität braucht eben kein Halbplayback.
Nicht mal einen Verstärker.

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Unterhalten in den geistigen Tod

Am 21.August.2005 schrieb elmar in Elmars Spitzen Keine Kommentare »

Es gibt einen guten Freund, mit dem ich gerne und immer noch viel zu selten ins Kino gehe. Er ist – wie ich – StarTrek-Fan und erfreut sich mit mir nicht zuletzt am Anblick gutaussehender junger Schauspieler in Cinemascope.

Ja, und wenn wir wieder mal ein Feuerwerk der Unterhaltung und Kurzweile hinter uns gebracht haben und mir trotzdem ein schaler Geschmack am cineastischen Gaumen hängen bleibt, trösten wir und gemeinsam mit den Worten “Also… so als reine Unterhaltung, wenn man ganz ohne irgendwelche Erwartungen rangeht, war’s ja ganz gut”.
Naja, wie soll ich sagen… wenn man nichts erwartet, tröstet auch die sechste Banal-Soap über zu viel Freizeit hinweg, wird ein Pappburger einer grossen FastFood-Kette zum Erlebnis und Radio FFH erträglich. Nur das Abschalten jeglichen Qualitätsanspruch ermöglicht überhaupt erst das Ertragen von 30, 50 oder mehr Fernsehkanälen, den Gang zur Wahlurne oder den Kauf einer Zeitung mit übergrossen Lettern auf der Titten… ähh… Titelseite.

Aber sollte das schon alles gewesen sein?

Fast macht es mir Angst, wenn ich sehe, mit welch einfaltslosen Ködern sich das dumme Volk fangen läßt und wie es befriedigt grunzend die Keditkarte zückt. Schnell muß sie sein, die Ware, vorzeigbar und Körper wie Geist den erwarteten Kick verschaffen. Lange Wirkung ist nicht gefragt, bei Nachlassen wird rechtzeitig für Nachschub gesorgt, die Regale sind voll. Als Therapie gegen den ersten Anflug von Langeweile, die sich immer früher einstellt, wartet schon die Weiterentwicklung, noch schneller, greller, härter, Version 2.0 verspricht das ultimative Abheben in den Kosmos vorgelebter Multi-Orgasmen.

Natürlich gibt es Ausnahmen… Sie sind über 30, vielleicht schon 40, sitzen noch immer stundenlang mit einem Buch im Cafe und lassen den Tee auch schon mal kalt werden. Fahren statt zum Animations-Club lieber in die Toskana oder nach Nord-Norwegen. Aber was ist mit den Jungen, den Nachwachsenden, unserer so vielzitierten “Zukunft”? Jene, die gerade von den Krawatten über 50 aus Profitgier mit Schund überschüttet werden, die kaum eine eigene “Protest-Kultur” mehr entwickeln, weil ihnen aller Protest, alles Jung-Sein bereits in einschlägigen Läden fertig verpackt verkauft wird – den Ertrag an die Alten!

So werden heutzutage z.B. ein Filme wie “Schatten der Wahrheit” gemacht (alleine für den Titel möchte ich gerne irgendetwas in Fischsuppe ertränken). Man nehme zwei grosse Namen (Harrison Ford, Michelle Pfeiffer) und lasse sie ganz im Rahmen ihrer millionenschweren schauspielerischen Palette in einer Handlung herumagieren, die vor Haken und Unwahrscheinlichkeiten nur so strotzt. Damit das nicht ganz so auffällt, setzt man eine gehörige Portion Okkultes obendrauf (ohne das seit AkteX sowieso kaum ein Thriller mehr auskommt), das verschmiert dann schon alles bis zur Unkenntlichkeit, was das Drehbuch an Erklärung und Logik offen gelassen hat. Dabei wirkt die paranormale Sosse wie mondaminmässig angedickt, ein aufgesetzter Kleister ganz im Gegensatz zu “The sixth sense”, der seine Geister von vornherein zum Hauptthema erhob und sich damit auf einer ganz anderen – in sich eher schlüssigen – Ebene bewegte.

Damit das Publikum nun auf seine Kosten kommt, werden die üblichen billigen Erschreck-Klischees aufgefahren: Man läßt die Hauptdarstellerin nur lange genug im Halbdunkel herumtappsen, um im richtigen Moment (und doch innerhalb fast jeder Vorhersehbarkeit) zuzuschlagen. Dabei gibt man sich aber nicht dem üblichen plötzlich auftauchenden Spiegelbild oder anderen tausendmal gesehenen Szenen zufrieden, sondern begleitet den Überraschungsmoment auch noch mit einem düsenjetreifen orchestralen Paukenschlag, dessen Lautstärke – so scheint es mir – in den Jahren mit der Schwerhörigkeit der jugendlichen vivaisierten Zuschauer in endlose Lärmorgien gewachsen ist.

Schließlich werden wir immer gesättigter, verwöhnter, was unsere Vorfahren noch von den Sitzen riss, entlockt uns kaum ein müdes Lächeln. Da muß es schon die Massen-Zerfleischungs-Mega-Terra-Schock-Orgie sein oder aber Sülzgeschmalze bis zur akuten Leinwandverklebung. Die Dosen werden stetig erhöht, nicht nur aus experimentiererischer Laune heraus, sondern, weil wir unsere Wahrnehmungsapparate schon an einem gewöhnlichen Durchschnittstag so mit Mist zugekleistert sind, daß Botschaften in Zimmerlautstärke keine Chance mehr haben.

Nachdem wir uns in den letzten Jahren beim Essen die Geschmacksnerven mit einer Überdosis Glutamat ruiniert haben, sind wir nun auf dem besten Wege, uns jeden geistigen Feinsinn mit Radio FFH und “Gute Zeiten – schlechte Zeiten” auszutreiben. Während eine bekannte Sekte immer noch mit dem Spruch wirbt, wir würden nur 10 Prozent unseres geisitigen Potentials nutzen, sind wir in Wirklichkeit schon weit darunter. Die Beschallung von heute verlangt nichts mehr ab, sie bietet Unterhaltung pur und mehr sollte man – siehe oben – auch nicht mehr erwarten. Naja, Hauptsache wir sind gut drauf und always happy. Lasst uns den Gott des Lächelns und der Oberflächlichkeiten in unser Gesicht zementieren und die Retter werden es nicht fassen, wenn sie unsere Reste unter dem Lkw hervorziehen und ein Big Smile das blutige Gesicht überzieht.

Mit Spass in den geistigen Tod! Depression war gestern, wir haben viel zu lange gedacht!

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Wehret den Anfängern

Am 21.August.2005 schrieb elmar in Elmars Spitzen Keine Kommentare »

Über das Verräterische von Heckscheibenbeschriftungen

Es begab sich neulich an einem Sonntagmorgen gegen 6 Uhr 15. Ich war gerade auf dem Wege zur Arbeit und intensivst mit der Frage beschäftigt, die auch Dir vielleicht gerade im Kopf herumspuckt: Was treibt einen Menschen dazu, sonntags morgens um 6 auf dem Weg zur Arbeit zu sein? Naja, was soll ich sagen… wenn ich mich dann am Montag um 12 Uhr an den Main latze und in der Sonne alle Viere von mir strecke, frage ich mich natürlich auch, wie man in diesem Moment nur arbeiten kann… ;-)

Aber genug abgeschwiffen. Ich lenke also gerade mein Zweirad durch eine mir neue Baustelle auf der A3, als ich am Ende derselbigen plötzlich Bremslichter vor mir sehe und kurz darauf den Grund: Hat sich doch tatsächlich ein böser Kieshaufen unter einen unschuldig dahergefahrenen Mercedes druntergequetscht und diesen dabei noch ganz doll heftig verbeult und puttemacht. Ich mit meiner Helferseele halte natürlich gleich an – selbstverständlich unter Befolgung aller notwendigen Sicherheitsmaßnahmen – und schenke dem beschädigten Vehikel, welches mit rhythmischem Geblinke und Gehupe auf sich aufmerksam machen will, einen größeren Teil meiner Aufmerksamkeit. Damit bin ich auch glatt der einzige, was mir aber angesichts dieses faszinierenden Anblicks (“Wie schafft man es nur, sein Auto durch einen Kieshaufen dermassen deformieren zu lassen? Waren da noch Kieshaufens Kollegen, die bösen Leitplanken, mit im Spiel???”) gar nicht weiter auffällt. Während ich also so um den weißen Mercedes (fragt mich bitte nach dem genauen Typen, für mich sind alle Autos gleich… aber billisch war der net) herumlaufe, um festzustellen, ob noch jemand darinnen weilt, was angesichts der noch herrschenden Dunkelheit durchaus erschwert wird, entdecke ich plötzlich einen Schriftzug auf der Heckscheibe: ABI 2000.

Was soll ich Euch sagen, ich muß erstmal schallend lachen. Naja, denke ich mir, dann ist ja alles banane. Nachdem klar ist, daß keiner mehr in jenem immer noch verzweifelt nach Hilfe tutenden Pkw drinnen ist, setze ich meine Fahrt, nun durchaus munterer und erheiterter, fort. Morgens nach 6 und gerade an einem Sonntag ist man ja für jede Freude dankbar, selbst, wenn sie sich aus den Schäden anderer nährt.

Ich sehe ihn quasi vor mir, den frisch gebackenen Abgänger, wie er sein mehrere Zehntausende Mark teures Schülermobil nach einer durchzechten Samstagnacht rasant und vielleicht auch nicht alleine durch eine ihm wie mir neue und unbekannte Baustelle zu leiten versucht und plötzlich ob des ihn vollkommen überraschenden Endes derselbigen (samt Schlenker) erst die Nerven und anschließend die Kontrolle verliert, bis besagter Kieshaufen dem Highway-Ping-Pong ein spontanes Ende bereitet. Diese auf Deutschlands Strassen ja nun absolut nicht ungewöhnliche Szene gewinnt natürlich durch die Hinterteilverzierung enorm.

Mal ehrlich, er würde sich doch niemals ein “Anfänger” hintendrauf pappen, oder? (Ich meine jetzt das Auto, Ihr Schweine… ;-)) Ein stolzgeschwollenes “Abi 2000″ kommt da konkret multiprozentual besser, produziert außerdem noch jede Menge Neid bei denen, die auf ihren Fiat Panda höchstens ein “Hauptschule 1971″ kritzeln könnten und klingt schon wegen des 2000-Effektes einfach nach Mehr. Letzten Endes aber besagt es nichts anderes als “Anfänger”.

Das glaubt Ihr nicht?

Also, wie alt ist so ein frischgebackener Abitent? 19? 20? Vielleicht sogar 21, aber dann kann er sich schon getrost in die Reihe der Ehrenrundenheinze einreihen (wie auch der Verfasser dieser Zeilen ;-)). Bleibt also nicht viel Zeit zwischen dem Erwerb des geheiligten Lappens und der überraschenden Begegnung mit Kieshaufen, welche einem Sonntagmorgens um Sechse den Prozess machen. Wenn das Auto aber erstmal demoliert auf dem Haufen hängt, macht sich “Abi 2000″ nicht mehr ganz so doll, das solltet Ihr bedenken, liebe Pennäler, wenn Ihr Euch mit ähnlichen Gedanken tragt wie unser Baustellen-Abenteurer.

Vielleicht dann doch lieber warten, bis ein “Papi 2010″ draus wird oder ein “Opa 2029″. Zumindest das schelmische Lachen der Fiat Panda-Fahrer dürfte dann nicht mehr ganz so arg ausfallen. Und das ist doch schon mal viel wert, oder?

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Psychologie des S-Bahn-Fahrens

Am 21.August.2005 schrieb elmar in Elmars Spitzen Keine Kommentare »

Man kommt ja quasi überhaupt nicht drumherum, etwas über S-Bahn-Pendler zu schreiben (immerhin bin ich ja selber einer). Sie sind einfach zu drollig in ihren Versuchen, der Technik Herr (oder Frau) zu werden. Oder wenigstens ihrer eigenen Unzulänglichkeit. Es muß etwas unserem Wesen grundsätzlich Widersprechendes sein, mit einem Haufen Unbekannter zusammengepfercht durch diese dunklen Röhren geschossen zu werden. Ich meine, Kafka hätte seine wahre Freude daran gehabt. Heute aber bleibt uns nur noch: Fahrschein ziehen und ab in die Büchse.

Da es immer wieder Neues zu sehen und zu berichten gibt, wird auch diese Rubrik sicherlich noch die eine oder andere Ergänzung erleben. Und jetzt viel Spass. Beim nächsten Mal Bahnfahrt heisst es dann: Augen auf!!!

Wir und die Anderen

Einer der interessantesten Effekte (und darum hier gleich als erstes genannt) ist sicherlich der des “Wir und die Anderen” beim öffentlichen Nahverkehr. Man stelle sich vor: Wenn ich in eine Bahn oder einen Bus einsteige, bin ich erstmal ein Fremdkörper. Da sind Haufen von Menschen, die froh sind, drinnen zu sein, vielleicht noch einen Platz zu haben und die nun ganz erpicht darauf sind, ihre Fluchtdistanz sauber zu halten. Was das heißt? Nun, wir sind brav, solange uns keiner zu nahe kommt, aber wenn ein anderes Lebewesen eine bestimmte Distanz unterschreitet, fühlen wir uns bedroht. Beobachten Sie das mal bei wildlebenden Tieren oder bei Hunden. Während sie den einen gar nicht nah genug kommen können, fletschen die anderen schon bei 2 Metern die Zähne. Doch zurück zu den Menschen. Sie sind nun also der Fremdkörper und jeder denkt “Hoffentlich setzt er sich nicht zu mir”, denn man kann ja in diesem Falle nicht einfach sagen “Du unterschreitest gerade meine Fluchtdistanz, Du, verpiss’ Dich!”, das ist ziemlich Un-PC. Stattdessen üben sich die Leute dann in ein wenig Übersprungsverhalten: Statt Ihnen auf’s Maul zu hauen oder sie zu beissen, rutschen Sie ein bißchen auf ihrem Sitz hin und her, blättern in Ihrer Zeitung oder lächeln Ihnen ins Gesicht (die entwaffnende Geste: “Ich bin lieb, tu mir nichts”).

Nach dieser Zeremonie sind sie sozusagen aufgenommen, denn bis zum nächsten Halt müssen die Fronten klar sein. Dann sind die neuen Feinde nämlich da draussen. Da, wo sie noch vor kurzem standen, steht nun ein anderer und sie müssen sich als inzwischen zum Rudel gehörendes Mitglied keine Sorgen mehr darüber machen, wer nun der Fremdkörper ist – SIE ganz bestimmt nicht mehr. Und so verteilen sich die Rollen von Haltestelle zu Haltestelle neu, immer wieder werden Leute aufgenommen oder aber, auch das kommt vor, verstossen. Bei Leuten, die stinken, laut rumkrakelen, saufen oder sonstwie aus dem Rahmen fallen, funktioniert das mit der Aufnehmen nämlich nicht so, aber das festzustellen, ist ja nun auch keine Kunst mehr. ;-)

Der Sog bei der Einfahrt

Die Leute mögen auch noch so dauerhaft und fest auf ihrem Warteplatz verharrt haben, sobald die Bahn einfährt, entwickelt sich eine immer wieder sichtbare Sogwirkung. Die Leute bewegen sich in derselben Richtung wie der Zug, so, als fürchteten sie, daß dieser an ihnen vorbeifährt, wenn sie nicht hinterherlaufen. Selbst “trainierte” Pendler, die eigentlich genau wissen, an welchem Teil des Bahnsteigs der Zug hält, lassen sich mitziehen.

Die untechnischen Aussteiger

Mit dem Stehenbleiben des Zuges im Bahnhof gibt der Fahrer die Türen frei, was deutlich in Form eines Zischens (entweichende Druckluft) zu hören ist. Trotzdem gibt es immer wieder Leute, die auch nach mehrmaligem Fahren in einer S-Bahn schon vor Türfreigabe an den Griffen ziehen. Da sich die Türen dann noch nicht öffnen, setzt so etwas wie eine plötzliche Panik ein, nicht aus dem Zug zu kommen. Also wird noch heftiger gezogen, und das, falls zu früh, mit immer noch negativem Erfolg (ein schöner Begriff). Sind die Türen dann endlich offen, schimpfen die Untechnischen womöglich noch über die “Scheiss-Technik”.

Fahrräder und Sicherheitspersonal

Neulich fuhr ich gegen 23 Uhr von der Arbeit nach Hause. Da ich mein Fahrrad dabei hatte, wählte ich den etwas geräumigeren “Fahrgastbereich” an einem Zugende und machte das Fahrrad an der Tür des (unbesetzten) Fahrerraums fest. Wir waren schon fast wieder aus Frankfurt raus, da kommt eine dieser ganz wundervollen Sicherheitsbeamten-Kontrolleure zu mir und meint forsch, das ginge ja nicht, ich müsse das Fahrrad da wegstellen und eine Tür weitergehen (wo es viel mehr im Weg steht), weil der Raum für Fahrgäste mit Kinderwagen und Koffern frei sein muß. Na, ich bitte Euch, Kinderwagen nachts um 23 Uhr??? Und Koffer? Alle typischen Voller-Leute-mit-Koffern-Bahnhöfe wie Flughafen und Hauptbahnhof hatten wir schon weit hinter uns gelassen. Das sollte selbst die Mütze in blau, die die Strecke ja noch viel häufiger fährt als ich, gerafft haben. Aber schließlich ist man wichtig, hat sowieso zu wenig Sex und dazu noch diese schicke Uniform. Da spritzt es sich doch viel besser. Es sei aber auch erwähnt, daß dieser Wichtigtuer eine wirkliche Ausnahme darstellt. Die meisten seiner Kollegen sagen nämlich wegen des Fahrrads selbst mittags um zwei nix. So ist die Welt.

Wie ich mir einen Platz freihalte

Um alleine auf einer Viererbank zu bleiben, gibt es ein paar Tricks. Die sensibelste Phase ist, wenn man selber gerade eine solche freie Viererbank erwischt hat. Der größte Fehler wäre jetzt, sich sofort hinzusetzen und den Platz für Nachzügler freizumachen. Also erstmal langsam in den “Fußbereich” zwischen den Bänken begeben und dem Gang eine Weile lang den Rücken zeigen. Das bildet schonmal eine menschliche Blockade für die anderen, die sich nun, anstatt zu warten, lieber einen anderen Platz suchen. Erst dann langsam hinsetzen. Natürlich wird eine mitgebrachte Tasche auf dem Platz neben einem abgestellt, damit ist zumindest mal die seitliche Flanke gesichert. Nun heißt es natürlich auch bei den nächsten Stopps den eroberten Platz zu verteidigen. Da Maschendrahtzäune und Selbstschußanlagen bisher nicht so gerne gesehen werden, greife man hier zum Mittel des abwehrenden Fußes. Man lege ein Bein so über das andere, daß der Fuß des aufgelegten Beines deutlich Richtung Mittelgang zeigt. Dabei lasse man sich so weit in den Sitz sinken, daß die Beine insgesamt schon weit zur gegenüberliegenden Seite reichen. Mit dieser Haltung und der Tasche hat man praktisch alle Plätze ausreichend abgesichert. Der Fuß bildet dabei die entscheidende psychologische Mauer, die viele nicht anzutasten wagen. Freilich bringt man den einen oder anderen gerade erst damit auf den Plan, aber die Anzahl derer ist normalerweise geringer als die der abgewehrten Fahrgäste.

Dieses Verfahren funktioniert erfahrungsgemäß außerhalb der Spitzenzeiten besser, da hier mehr “Unerfahrene” Leute mitfahren. Die Pendler der Rush Hour sind zum grossen Teil abgestumpftes, unsensibles Massenvolk, bei dem solche feinen psychologischen Tricks nicht mehr fruchten. Naja, ist ja auch entschuldbar, wenn man Tag für Tag mit seinesgleichen zusammen in engen Wagen durch dunkle Tunnelröhren fahren muß.

Verspätungen

…sind immer eine gute Gelegenheit, einfach mal ein wenig die Augen aufzumachen. Ist auch viel besser als sich selber zu ärgern, denn davon kommt man auch nicht früher an. Wenn Sie sich ein bißchen umschauen, werden sie ihre helle Freude haben. Zwar sind Verspätungen nun nicht gerade das ultimative Mittel, aber sie kratzen schon ein bißchen die Reserven der Menschen heraus (ähnlich wie Supermarktwarteschlangen). Der Ärger macht die Leute ehrlicher, läßt die Fassaden bröckeln und plötzlich erkennt man, wer wirklich lässig ist und wer nicht. Das ist umso spannender, je größer der Unterschied zwischen Vorher und Nachher ist. Das ist ja auch nicht zuletzt ein Grund für viele, selber zu provozieren. Sie wollen die Leute aus ihrer selbsternannten Ruhe locken und sie wären überrascht, wie gut das mitunter funktioniert. Es macht einfach Spass, zu sehen, wie sich andere unnötig aufregen. Das Schöne bei S-Bahn-Verspätungen ist nun, daß man beobachten darf, ohne sich selber dafür schmutzig zu machen. ;-)

Pendlerhöhlen

Mit den Pendlern ist es ist wie mit Pickeln oder Japanern. Wo einer ist, sind gleich noch ein paar andere. Sie sammeln sich auf engstem Raum, als wollten sie einen ungeschriebenen Rekord brechen. Schauen Sie mal in die S-Bahnen gegen 17 Uhr nachmittags. Die mittleren Wagen – leer. Ein wenig links und rechts der Mitte – kaum ein paar Leute. Aber gehen sie mal an die Enden der Züge und sie brauchen eine tragbare Sauerstoffeinheit. Mindestens.

Was bewegt wohl den mitteldeutschen Durchschnittspendler dazu, sich genau in jenem Teil des Zuges einzusardinieren, welcher die höchste Todeswahrscheinlichkeit birgt. Doch, echt. In London verunglückte vor nicht allzu langer Zeit ein Vorortzug. Ich meine, das passiert immer mal wieder, jeden Tag verunglücken irgendwo auf der Welt Vorortzüge. Den Londonern hat das nicht gereicht. Sie haben sich – wie auf Verabredung – so in der Spitze des Vehikels konzentriert, daß sich der anschließende Frontalzusammenstoß ein richtiges Blutbad anrichtete. Und warum? Weil die Leute schneller am Ausgang sein wollten. Nun, das waren sie dann auch. Am Ausgang des Lebens. Wenn sie also gerade mal keine Lust auf die Ausdünstungen ihres Nachbarn haben oder sie einfach nur ein wenig Polster unter ihrem Hintern spüren wollen – die Zugmitten sind immer noch ein echter Geheimtip. Probieren Sie’s mal aus.

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Von den Fußgängern

Am 21.August.2005 schrieb elmar in Elmars Spitzen Keine Kommentare »

Also die Pedos (das versteht jetzt bestimmt wieder jemand falsch) sind ja eigentlich supergut dran. Sie können einfach einen Schritt zur Seite tun, nach links oder nach rechst. Einen nach vorne oder einen zurück. Sich drehen. Springen. Sich Ducken. Oder einfach nur dastehen.

Überlegen Sie mal, kein Gefährt der Welt ist so flexibel wie ein Rumpf und ein paar Beine. Na, mit einem geht’s zur Not auch, nur bitte Vorsicht beim Drehen. Alles wäre perfekt, wäre der menschliche Körper nicht so… arschlangsam. Mal ehrlich, würden Sie nach Bagdad laufen? Nach München? Zum nächsten Zigarettenautomat? Na also. Aber manchmal kommt mensch halt nicht drumherum und dann gilt es natürlich, wieder die Zeitersparnisbüchsen zu laden und loszulegen.

Ich will da mal eine Sache stellvertretend aufgreifen. Es hat wieder was mit roten Ampeln zu tun (jaja, sie kennen das vielleicht schon von den Automolisten), spielt sich aber nicht beim Weg _zur_ Ampel ab, sondern beim Warten _an_ der Ampel. Es scheint, als hätte der liebe Gott uns allen ein Hundertmeterläufergen ins DNS-Nest gelegt, was uns in bestimmten Momenten wie gebannt auf den Schuß warten läßt und eine schier unbändige Bewegungsbereitschaft in uns auslöst. Mal ehrlich, würden alle Menschen diese Energien an Treppen verpulvern, bräuchten wir keine Rolltreppen mehr. Aber es ist immer das am reizvollsten, was man nicht hat und hier steckt ja der Fußgänger quasi in einem unsichtbaren Korsett, welches auf ein allen bekanntes und in langen Jahren antrainiertes Zeichen (“GRÜN!”) plötzlich die Fesseln löst und uns wieder in den ureigenen Fußgängerbewegungstrott entläßt.

Nun beobachten sie mal, wie die Leute mit dieser kaum zähmbaren Kraft umgehen. Man hat den Eindruck, die Krampfneigung steigert sich an roten Fußgängerampeln um den Faktor Zehn! Lauter zitternde Leiber um einen herum, die, je näher sie sich dem vermeintlichen Grün wähnen, in zunehmend heftige Zuckungen verfallen, man wartet eigentlich nur noch auf den Schaum vor dem Mund. Die, welche sich die Zuckblöße nicht geben wollen, machen ein paar laaangsame Schritte. Z.B. auf die Strasse zu. Da dies aber nicht selten in plötzlichem Tod endet, lassen sie es irgendwann und besinnen sich auf andere Methoden. Um die Todesrate nicht in unendliche Höhen schnellen zu lassen, haben die Verkehrsplaner die Radwege eingeführt.

Wie bitte? Nun sagen Sie mir bitte nicht, sie hätten gedacht, Radwege sind für Fahrradfahrer da!

Ich bitte Sie. Fragen Sie doch mal die parkenden Autofahrer, die Taxis, die Mülltonnenschlepperisten und nicht zuletzt die Ampelzuckerfußgänger. Die letzteren sind doch dankbar, wenn sie noch einen weiteren Meter sozusagen virtuellen Auslauf kriegen, quasi eine Zuck-Kompensations-Zone (nein, Daniel, Du bist damit nicht gemeint… ;-)). Also was passiert? Der ungeduldige, aber doch gesetztestreue rotlichtachtende Pederast, äh, Pederist, fruchtet da auf dem eigenlich sichtbar andersfarbig (Schwarz. Teer. Strasse!) angelegten Radweg rum, bis ein Pedalist kommt und ihn wegbimmelt. Na, da sollen sie aber die Füßlinger mal hören. Aber es ist halt wie bei den echten Epileptikern. Auch, wenn der Anfall an sich selten lebensbedrohlich ist, so bleiben immer ein paar Nervenzellenleichen über und das trübt mit der Zeit das Wahrnehmungsvermögen. Ist auch ein Kreuz mit den roten Ampeln.

Ich halte es da mit der Altersheimmethode. Arm hochhalten und loslatschen. Dann können mich die Rettungsdienstler hinterher bequem unter dem Laster hervorziehen. Angenehmes Pederieren!

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Von den Autofahrern

Am 21.August.2005 schrieb elmar in Elmars Spitzen Keine Kommentare »

Autofahrer sind der beste Beweis für Paralleluniversen. Ich meine die, in denen genau dasselbe passiert wie bei uns, nur in irgendeiner anderen Zeitebene oder so. Was Autofahrer so alles drauf haben, um die Zeit (und nicht etwa den Raum) zu krümmen, hätte sogar Einsteins Kinnlade zu Fall gebracht.

Fangen wir mal an mit dem dichten Auffahren. Für jede 10 Sekunden, die ein Mobilist einem anderen den Hintern küsst, bekommt er 2 Sekunden gutgeschrieben. Doch, doch. Die sammelt er dann auf seinem Zeitkonto und kann dafür abends länger Glotze gucken. Damit nicht genug. Raffiniert ist der Trick mit dem An-Rote-Ampeln-heranfahren. Wird die Geschwindigkeit bis ungefähr 2 Meter vor der Ampel annähernd beibehalten, bekommt er weitere 10 Sekunden auf sein Konto. Das reicht immerhin für einen seichten Witz von Ingolf Lück. Der Renner aber sind Schleichwege. Die sind zwar meist länger und nicht selten mit allen möglichen Hindernissen gepflastert (Kinder, Kübel, Kölner Teller), aber durch entsprechende Geschwindigkeitserhöhung wird das lässig wieder kompensiert. Am Ende des Weges steht er dann neben demselben Auto, daß auf der Hautpstrasse geblieben ist, nach dem obligatorischen Rote-Ampel-Spurt (s.o.) an der letzten Kreuzung, darf sich aber über weitere gutgeschriebene Minuten glücklich schätzen. So gewinnt der Autofahrer eine ganze Menge Zeit für allerlei nette Dinge. Besonders doll nett finde ich die Idee, einen Teil davon als sozusagen freiwillige Spende einzubehalten und einem gemeinschaftlichem Fond zur Verfügung zu stellen, aus dem dann der Aufwand für Krankenhaus- und Grabespflege gedeckt wird für jene, die bei ihrer Zeitsparerei ein wenig zu eifrig waren und Spuren hinterlassen haben. So ist schließlich für alle gesorgt und Herr Lück kann sicher sein, nicht vor leeren Sesseln zu seiern. Möge der Radarwarner mit Euch sein. Prost.

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Murphy-Menschen

Am 21.August.2005 schrieb elmar in Elmars Spitzen Keine Kommentare »

Was soll denn das sein, werden Sie jetzt fragen?. Nun, ganz einfach. Sie kennen ja bestimmt Murphys Gesetze. Was schief gehen kann, wird auch schiefgehen. Ein Spezialfall der Murphy’schen Gesetze ist z.B. das Gesetz der Schlangen. In einem Supermarkt wird garantiert jene Schlange die langsamste sein, an der Sie sich gerade angestellt haben. Oder die Fahrspur auf der Strasse. Oder derjenige von 6 Fahrstühlen, in den sie einsteigen. So einfach ist das. Was die Pfarrer für Gott, sind nun die Murphy-Menschen für Murphy. Sie helfen ganz aktiv, seine Lehre zu verbreiten und zu bestätigen. Die von Murphy, nicht die von Gott, wohlgemerkt! Dabei legen diese gar unglaubliche Ignoranzen an den Tag, die aber angsichts des Gesamtdummheitfaktors der uns umgebenden Menschen kaum noch überraschen.

Stellen Sie sich eine Firmenkantine mittags um halb ein vor. Sie stehen an der Schlange, sichten bereits aus einiger Entfernung die aufgeschichteten Schnitzel und tragen ein schwerwiegendes “Naaajaa” mit sich herum. Sie mögen kein Fett und was Sie dort sehen, treibt Ihnen einen leichten glibbrigen Schauer über den Rücken. Doch zwischen den eher unsehnlichen Stücken erspähen Sie Monumente der Hoffnung und Sie hören sich sagen “Bitte ein Schnitzel, ein mageres bitte.”. Was glauben Sie wohl, was passiert? Während die Zange der Kantinenausgabeschnitzelbeauftragten unheilschwanger über dem toten Fleisch kreist, wirft diese ihnen ein “Die sind alle mager” entgegen und packt mit Sicherheit den krassesten Ausbund an Ekel und Glibberfett auf Ihren Teller, während Ihr gerade ansetzender Versuch eines Protestes in ihrem “Nächster!” untergeht.

Oder in Bäckereien. Ich gehöre ja nicht zu der anscheinend gewaltigen Menge Menschen, welche ein Brötchen erst dann Brötchen nennen, wenn das Krachen beim Hereinbeißen noch Kilometer weit zu hören ist. Jaja, knusprig ist ja ganz nett, aber dann doch eher in Maßen, wenn nicht gar ein wenig… flumsig. Keine Ahnung, was das ist, aber es klingt gut. Also ich stehe an der Brötchentheke und möchte gerne 4 helle Brötchen. Auf bisher unerforschte, aber darob kaum weniger faszinierende Art und Weise leistet nun die Bäckereifachverkäuferin eine Meisterleitung an verbaler Selektion. Das Wort “Brötchen” setzt ihre Griffel auf allseits bekannte und millionenfach wiederholte Art und Weise in Richtung “Brötchen” in Bewegung. Wie von Geisterhand befördert sie, zipp, zapp, zupp, vier Weckerl in die Tüte. Nur dieses Wort dazwischen, das wurde auf unerklärliche Weise aus ihrem Backwerkbestellzwischenspeicher gelöscht, oder aber gelangte erst gar nicht dorthin. Eine Meisterleistung an Filterung, welche sogar einer High-Performance-Firewall zur Ehre gereichen würde.

Lebendige Beispiele der Murphy-Lebens- und-Leidenskultur, die sicher noch die nächsten Jahrhunderte überdauern wird. Was die Frage aufwirft, ob es dann auch Murphy-Replikatoren geben wird. Ich jedenfalls bin fest davon überzeugt.

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Besinnungsreiche Zeiten mit der Beraterbank – Ein Nachtrag

Am 21.August.2005 schrieb elmar in Elmars Spitzen Keine Kommentare »

Wie konnte ich Euch heilige Herren nur so verkennen… Habt doch ein Einsehen gehabt mit uns Kunden. Habt uns wieder in den “Mittelpunkt unseres Handelns” gestellt. Wollt das Dienstleistungsspektrum im Privatkundengeschäft weiter verbessern. Wenn ich die Worte Eures Briefes, welcher mich am 18.4. erreicht hat, in meinem Herzen Revue passieren lasse, wird mir wieder warm um dasselbe, fühle ich mich aufgehoben in der prächtigen girlandenen Welt grüner Sympathiebänder, möchte ich laut Hallelujah rufen und dem Herrn danken, daß meine, MEINE Beraterbank wieder auferstanden ist (gerade richtig zu Ostern).

Nachdem die “Gespräche aufgrund unterschiedlicher Standpunkte in Bezug auf das Investmentbanking beendet” wurden, strahlt der Kleinkundenhimmel erneut in klarster Wolkenlosigkeit. Nie käme ich auf die Idee, daß die Ex-Bösen nur deswegen lieb wurden, weil sich da jemand als noch böser entpuppte als sie. Daß sie den Hosenboden voll und Wut im Bauch hatten, weil die hauseigene goldene Kuh geopfert werden sollte, daß sie selber von Opferern zu Geopferten wurden, die, nachdem sie alles zu verlieren hatten, sich nur aus Angst und Machterhalt auf ihre bisherige Position besannen und wenigstens ihre gerade in der Flucht begriffene Klientel wieder zurückerobern wollten.

Nein, nie käme ich auch nur im Entfernsten in die Nähe eines Zweifels an der Ehrlichkeit ihres Dankes “für Ihre Verbundenheit mit unserem Haus” und an der Möglichkeit, diesen Satz zu verstehen, ohne ihn mindestens dreimal zu lesen. Nein, liebe Drebaner, was Ihr als Verbundenheit bezeichnet, ist die Enttäuschung vor allem jener, die durchaus über Jahre fähig waren, sich mit “ihrer Bank” zu identifizieren und nun einfach keinen Bock hatten, abgeschoben zu werden. Dafür müßt Ihr nicht danken, davor solltet Ihr gewaltigen Schiss haben und es Euch eine Lehre sein lassen. Das aber wird kaum passieren, denn bei Fusionen spielt – so im Stern Nr. 16 zu lesen – der menschliche Faktor keine Rolle, da geht es alleine um Fakten.

Warum nur sagt im selben Stern in der selben Ausgabe auf Seite 275 ein Banckchef, daß es Beratung bald nicht mehr geben werde und warum nur glaube ich ihm das so unbesehen? Klar, der, der sagte, führt selber eine Direktbank und wird die Bewahrheitung seiner eigenen Prophezeiung am sehnlichsten erwarten. Aber sooo einfach wollt Ihr es ihm doch nicht machen, oder?

Hier geht’s zum Originalbeitrag

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Wenn Du in’s Kino gehst…

Am 21.August.2005 schrieb elmar in Elmars Spitzen Keine Kommentare »

  • höre zwei Tage vorher auf, Dich zu waschen!
  • Esse unmittelbar vorher einen Döner bei Deinem Lieblingstürken mit der Extraportion Knoblauch
  • gehe immer in die Abendvorstellung, möglichst am Wochenende
  • erscheine frühestens 5 Minuten vor Beginn der Vorstellung an der Kasse. Die Schlange wird Dich willkommen heißen.
  • Kaufe Dir eine von diesen Haribotüten, die so superdoll knistern
  • Dazu einen Rieseneimer Popcorn, schließlich wollen die Putzfrauen ja auch von irgendwas leben.
  • Rufe noch schnell Deine besten Freunde mit Deinem Handy an und hinterlasse Ihnen eine Nachricht auf Ihrer Mailbox, daß sie Dich in einer halben Stunde zurückrufen sollen.
  • Gehe erst in den Saal, wenn das Licht schon aus ist, am besten, wenn der Hauptfilm schon läuft.
  • Setze Dich genau vor mich.
  • Laß den Hut auf.
  • Mach es Dir bequem. Schließlich hast Du ja dafür gelöhnt. Rauf mit den Schuhen auf den Vordersitz!
  • Sollte vor mir kein Platz mehr sein, habe keine Hemmungen, Dich hinter mich zu setzen und den gesamten Film über mit Deinen Beinen an meinen Stuhl zu treten und präpubertär herumzuzappeln.
  • Unterhalte Dich mit Deinem Hetenkumpel lautstark über die Riesentitten zwei Reihen vor Euch.
  • Wenn Du keinen Hetenkumpel mehr hast und ganz alleine bist, bring wenigstens eine ordentliche Erkältung mit. Trainiere Deinen Raucherhusten, bis er sich anhört, als würdest Du gleich kotzen.
  • Laß die Haribotüte den Rest erledigen.
  • Geh spätestens nach einer halben Stunde raus, um neues Bier zu holen.
  • Nach einer Stunde mußt Du pissen.
  • Denke daran, daß es unhöflich ist, die SMS, die Du während des Films bekommst, nicht gleich zu beantworten, am besten durch Anrufen. Gleich hier.
  • Kommentiere jede Szene, die Du nicht kapierst, mit einem kräftigen “Ey, watt’n Scheiß, Mann!”
  • Sobald das erste Wort vom Abspann erscheint, schmeiß die Popcorn in die Ecke und steh’ auf.
  • Lass Dir viel Zeit beim Anziehen Deines Mantels und Deiner Meinung über den Film freien Lauf.
  • Verschwinde bis zum nächsten Mal. Beeile Dich damit, sonst muß ich Dich leider töten! >;->
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For your convenience – Die Zerraterbank

Am 21.August.2005 schrieb elmar in Elmars Spitzen Keine Kommentare »

Vor gar nicht allzu langer Zeit kam ich das erste Mal mit dieser Formulierung in Berührung – in den USA. Es ging um die Schliessung einer Mensa auf dem Uni-Campus in Bloomington/Indiana. “For your convenience” war damals das Leitwort, die Begründung – zu Ihrer Bequemlichkeit.

Mir wollte das gar nicht einleuchten, was ist daran bequem, wenn ich in Zukunft viel weiter laufen muß? Aber die Amerikaner sind Meister der Verschleierung, in Wirklichkeit ging es natürlich darum, Geld zu sparen, nur verkauft sich das schlecht. Das da etwas nicht stimmt, nehmen viele betroffene amerikanische Staatsbürger tatsächlich nicht mehr wahr, man frißt, was aufgetischt wird.
Ist so etwas in Deutschland möglich? Bis jetzt war ich noch im Zweifel, aber ein Brief, den ich heute in meinem Briefkasten fand, belehrt mich eines Besseren. Absender: Jene Bank, die noch bis vor kurzem als “Die Beraterbank” auftrat. Als ob dieser Titel nicht allein schon Hohn genug ist angesichts der Realität. Was also lese ich in dem Brief:

Als Wurzel und Basis unseres dauerhaften Erfolges sehen wir dabei die konsequente Fokussierung auf die Berdürfnisse und die Zufriedenheit unserer Kunden.

Mal ehrlich, glauben Sie so einen Quatsch? Das erinnert mich an vor gar nicht langer Zeit aufgekommene Schlagworte: “Kundenorientiertes Verkaufen” oder “Patientenzentriertes Arbeiten”. Soll das etwa neu sein? Diese Maxime gibt es schon so lange wie die Dienstleistungsberufe, nur daß aus ehemalsTaten heute inhaltsleere Werbesprüche geworden sind.

So sieht die Realität aus: Die “Beraterbank” hat in den letzten 10 Jahren nichts anderes getan, als zunehmend Beraterplätze abzubauen und die ehemaligen Schaltermitarbeiter (SMA’s) zu “Mädchen für alles” zu machen. Die sollen nun nicht mehr nur Geld über den Tresen schieben, Überweisungen ausfüllen und den halben Tag mit Eingaben und Ablage zubringen, sondern müssen auch noch jene Aufgaben übernehmen, den früher die Berater machten – VL-Verträge, Kreditanträge, Anlageberatung etc. Von den eigentlichen Beratern, bei denen man einst Platz nehmen konnte und die – fern des Trubels am Schalter – Zeit für einen hatten, keine Spur mehr. Die Halle der Dresdner Bank Offenbach gleicht einem marmornen Bahnhofswartesaal.

Dabei zolle ich den “optimal ausgebildeten Mitarbeitern” (Brieftext) von heute alle Hochachtung. Der Job hatte schon früher genug von Frontschwein, heute aber müssen die meist noch jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen möglichen Bereichen fit sein und die Nerven behalten. Darunter leidet mitunter auch die Freundlichkeit, aber wem ist das zu verdenken…

Das Kreuz ist, daß ich, wenn ich mich heute an einem Schalter anstelle, nicht weiß, ob da 5 schnelle Bareinzahlungen oder 5 langwierige Beratungen vor mir stehen. Da ist es schon ein Glücksfall, von den 2 x 4 Schaltern den richtigen zu erwischen, und wehe, ich stelle mich auf der falschen Seite an, dann bekomme ich nur lapidar zu hören: “Das ist aber nicht unser Nummernkreis, da müssen Sie sich da drüben anstellen”. Das Ganze von vorn.

Als ich mal fragte, warum hier nicht nach dem amerikanischen System vorgegangen wird (eine Schlange für alle Schalter, der/die vorderste kommt an den jeweils nächsten freien Schalter) wurde mir gesagt, das werde von den Kunden nicht gewünscht. Dabei ist doch gerade dieses das gerechteste aller Systeme, kein Neid mehr, wenn es an der Nachbarschlange mal schneller geht, keine Schlangenspringer, jedeR hat die gleichen Chancen. Ein Konzept, daß z.B. an Check-In-Schaltern in Flughäfen durchaus funktioniert. Auch in Deutschland. Aber in den Airports ist ja das Publikum auch “internationaler” (und anspruchsvoller?), in deutschen Bankhallen regiert dagegen immer noch preußisches Gedankengut.

“Die [...] entstehende neue ‘Bank 24′ wird getragen von der Leistungsfähigkeit drei renommierter deutscher Finanzdienstleister”. Die neue Bank 24 ist nichts anderes als ein Auffanglager für Kunden, die für “eine der führenden europäischen Banken” zu wenig Geld mitbringen. Von 200.000 Mark (in Worten: zweihunderttausend) Limit ist die Rede, die ein Kunde mitbringen muß, um in den Genuß wahren Bankwesens zu kommen, der Rest darf im Minderverdienendenghetto Bank 24 dahinsiechen. Das wenigstens dauert noch ein paar Monate: “Bis die Fusion Realität gewordem und mit Leben erfüllt ist, werden noch einige Monate ins Land gehen. In dieser Zeit wird es für Sie keine Veränderungen geben”. Das heißt auf gut deutsch: In dieser Zeit nicht, aber Gnade uns Gott, was danach passieren wird. Genießt die letzten Monate, dann wird es richtig ernst. Kontonummernänderungen, Bankwechsel, Filialschließungen, Personalabbau.

Wer das Desaster und die Trägheit eines Bank-24-Internetbankings erlebt hat, wird sich die etwas altertümliche, aber funktionierende CEPT-Oberfläche der Dresdner zurückwünschen. Java-Applets, die noch dazu nur unter Windows laufen, sind, liebe Versprecher, alles andere als “vielseitiger und kundenfreundlicher”. Ich empfehle dazu die Lektüre der c’t Nr. 7/2000!!!

Wenigstens eines ist sicher: “Am persönlichen Betreuungsverhältnis von Kunde und Berater – der Grundlage einer vertrauensvollen Geschäftsbeziehung – wird sich in Zukunft nichts ändern”.

Das bedeutet: Die Mehrfachbelastungen für die Mitarbeiter bleiben. Die Bahnhofshallen auch. Wenn auch aus Marmor. Nur den “Berater” von gestern, den habe ich schon lange nicht mehr gesehen…

Der Nachtrag zu diesem Artikel

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Siebenjährige dürfen Führerschein machen!

Am 21.August.2005 schrieb elmar in Elmars Spitzen, Werbung, Zeitgeist Keine Kommentare »

Warum eigentlich nicht? Der Gedanke kam mir, als ich heute eine Meldung bei http://www.billiger-telefonieren.de fand. Laßt Euch das mal auf der Zunge zergehen:

Mannesmann Mobilfunk (D2) hatte seinen Vertriebsstellen für die Call Ya-Karten die Möglichkeit eingeräumt, das Prepaid-Handy-Set auch an Kunden ab sieben Jahren zu verkaufen. Die Kunder sollten sich mit ihrem Kinderausweis registrieren lassen.
Wow! Da bekommt die Geldgeilheit der Kommunikationskonzerne eine ganz neue Dimension! Zugegeben, die Vorteile sind natürlich nicht von der Hand zu weisen. Die Kleinen können so überall und zu jeder Zeit

  • …das Wunschmittagsmahl bei Muttern ordern
  • …die neuesten Lolly-Kurse an der NYSE abfragen
  • …mit anderen Zweitklässlern per SMS den Ort des neuen geheimen Pausen-Raucherecks austauschen
  • …ihren Keksdealer für Nachschub alarmieren

und vieles mehr. Ungeahnte Möglichkeiten tun sich da auf. Wenn wir schon dabei sind, sollten wir natürlich konsequent sein. Ich schlage vor:

  • Kreditmöglichkeit zur Finanzierung des o.g. Handys (dementsprechende Korrektur der Tresenhöhen in den Marmorbanken oder mindestens Einführung eines Kinderschalters mit Wartetzeit-Gameboys)
  • Wahlrecht für Säuglinge (“Nie wieder Alete!”)
  • Führerschein für Radwege. Die Industrie ist gefordert! Ein echtes Auto, so breit wie ein Radweg. Mit Ultrasound, Cool-Vergaser und RTF(Robbi-Tobbi-Fliewatüüt)-Hupe! Doch ist hier natürlich Selbstbeschränkung angesagt. Mehr als 100 PS sollte das Vehikel nicht haben, damit die kleinen nicht Papis Turbo Konkurrenz machen.
  • Sex für 10-Jährige… gibt’s heute schon.

Welch schöne Zeit könnte für unsere Kleinen anbrechen, wäre da nicht die ganz doll böse Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die sagt nämlich, daß Prepaid-Mobilfunk-Verträge für Kunden im Alter von sieben Jahren gegen die Schutzvorschriften des Bürgerliches Gesetzbuches für Minderjährige verstossen. Tja, und jetzt müssen wir abwarten, was Grand Old Daddy Gesetzgeber dazu meint. Oder der Bundesgerichtshof. Oder überhaupt irgendein Gericht. Bis dahin dürfen die Kleinen noch träumen. Aber das tun sie ja eh schon.

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Warnung vor dem Filme – Heute: Anatomie

Am 21.August.2005 schrieb elmar in Elmars Spitzen, TV Keine Kommentare »

Heute habe ich mir angesichte eines (bis zur Nachtschicht) freien Tages mal wieder einen Kinogang gegönnt. Zuerst wollte ich ja in “American Beauty”, aber dann war da noch “Anatomie” und so entschloss ich mich gegen den vermutlichen Kitsch aus USA für das neue deutsche Gruselkino mit Franka Potente als Galionsfigur.

Schon die erste Szene macht klar, wo der Film hinwill: Franka Potente alias Paula läßt während einer Leichenschnippelei ein paar glitschige Eingeweide fallen, während ihre ach-so-spassigen Yuppie-Kommillitonen (war das jetzt richtig geschrieben?) kollektive Sexwitzchen reißen. Eigentlich aber ist sie ja gar nicht so doof, weshalb sie einem Anatomie-Wettbewerb auch gleich den zweitbesten Platz in Großdeutschland belegt und dafür zum Weltallbesten Anatomieprof nach Heidelberg fahren darf, um dort so richtig doll fit gemacht zu werden. Der Opa (Ex-Chefarzt mit Krebs) liegt lachend im Sterben, der Papa (von nervenden Patienten geplagter Kinderarzt) würde die Tochter viel lieber in der eigenen Praxis sehen, die Mutter gibt die wegen Schwangerschaft beruflich gescheiterte Ehefrau, die sich – zwischen Verletztsein und Verständnis aufgewühlt – in das ganz doll atmosphärische Licht des töchterlichen Zimmers begibt, um die Müttern ganz eigenen Vermittlungsversuche zu starten.

Wenig später im Zug nach Heidelberg dann die zweite Faust im Gesicht des Kinoguckers: Paula lernt erstmal Gretchen kennen, welche ebenfalls zum Anatomiekurs unterwegs ist und natürlich zur Zimmerpartnerin wird. Anschließend wird Franka ganz filmgerecht mit dem plötzlichen Herzstillstand des 28-jährigen David (Diagnose: Kardiomyopathie) konfrontiert, den sie so dermassen mit Bravour meistert, daß das Opfer noch unter der Herzmassage wieder aufwacht und in der nächsten Szene mit ihr und Gretchen im Zugabteil auf die erfolgreiche Wiederbelebung anstößt. Daß sie wenig später genau selbigen David dann doch tot auf dem Seziertisch wiederfindet und dazu noch mit einer ganz, ganz seltsamen Markierung und noch seltsamerem Blut, ist natürlich kein Zufall, sondern ganz doll vom Drehbuchautor gewollt.

Gretchen wiederum darf so ganz dem Klischee der blöden Blonden gehorchen, die ausschließlich an Sex denkt und auf bescheuertste Weise alles anmacht, was nur genug zwischen den Beinen hängen hat. Zum Ausgleich darf sie dafür in einer Szene sagen, daß sie es immerhin war, die die _beste_ der eingereichten Anatomiearbeiten geschrieben hat und daß sie ja sowieso einen um 50 höheren IQ hat als alle Männer, mit denen sie sich durch den Film vögelt. Ihr Charakter wirkt damit ungefähr so glaubhaft wie unschuldbeteuernde Politiker, denen der Schweizer Kontoauszug noch aus der Tasche hängt.

In Heidelberg angekommen stossen die beiden Hauptdarstellerinnen auf eine ganze Riege von coolen Mitstudiosi, die dauernd irgendwelche Sexwitzchen (siehe oben) reißen oder das zarte Geschlecht im kalten Licht metallischer Obduktionsräume mit elektrisierten Leichen schocken wollen. Gäähhn. Tja, und dann kommt natürlich noch die _eigentliche_ Handlung, aber damit will ich Euch nicht auch noch langweilen. Nur soviel: Die Geschichte von der Kassandra, die etwas ganz doll Schlimmes entdeckt, der keiner glaubt, die in ganz doll gefährliche Situationen kommt und die zum Schluß mit ihrem anfangs noch unsympathischen Retter vögelt, ist nun wahrlich nicht mehr ganz taufrisch.

Undsoweiter…

Die Schauspieler wirken unmotiviert und vollkommen zweidimensional auf ihr jeweiliges Klischee verkrampft, die Bilder versuchen immer wieder, ekelhaft zu sein und landen doch andauernd (Achtung, Wortwiederholung) im Klischee von Blutlachen und Skalpell-Großaufnahmen. Die Musik wird vom Viva-adaptierten Publikum sowieso nicht mehr wahrgenommen (und das ist auch gut so) und die holpernden und stolpernden Dialoge sind schließlich so grauenhaft gekünstelt, daß ich mehr als einmal in den 110 Minuten versucht war, das Kino zu verlassen. Daß ich es nicht tat, lag vor allem auch daran, daß ich nicht den Eindruck erwecken wollte, ich würde wegen der ekelhaften Blutszenen gehen. :-)

Fazit:

Wer gekühlte Leichen sehen will, schaue sich “Nachtwache” an, für ekelhafte Schleimklumpen tun’s die Filme Cronenbergs (ExistenZ, Die Fliege, Naked Lunch, Die Unzertrennlichen) viel besser und im Reiche der Spannung ist die Auswahl sowieso groß genug. Für den Thrill mit ein wenig Ekel tut’s derzeit “The Sixth Sense” viel besser und außerdem gibt’s noch einiges an Blut in “Fight Club” (der aber noch aus ganz anderen Gründen supergut ist).
Anatomie aber kann mensch sich ohne jedes Problem ersparen.

P.S.: American Beauty entpuppte sich als alles andere denn als amerikanischer Kitsch und war für mich der Überraschungsfilm des Jahrs schlechthin. Totally genial!

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