Steve Jobs’ Erscheinung auf der WWDC am 11. Juni 2008 war erst der Anfang. Schon damals machten angesichts eines mageren, kraenklich erscheinenden Jobs Gerüchte über eine Wiedererkrankung die Runde, doch die Mutmassungen verliefen sich in den folgenden Monaten.
Seit Apple Mitte Dezember bekanntgab, dass die Keynote der MacWorld 2009 nicht von Jobs gehalten werden würde, kocht die Gerüchtesuppe umso heftiger.
Gizmodo malte gestern um 12:45 den Teufel an die Wand… es sei alles noch viel schlimmer als angenommen. Dan Frommer zitiert 45 Minuten spaeter in Alleyinsider gegenteilige Stimmen: Alles Blödsinn, Steve Jobs gehe es gut, die Gründe für sein Nicht-Erscheinen liegen ganz woanders.
Wo auch immer das hinführt, es ist einen Gedanken wert, was eine Person wie Steve Jobs für Apple bedeutet und vor allem, was geschieht, wenn sie einmal nicht mehr da ist. Ich meine, wir sollten mit dem Nachdenken darüber frühzeitig anfangen, um gewissermassen gerüstet zu sein, wenn es einmal soweit ist. Gerüchte forcieren bringt nichts ausser Unruhe, aber sich den “Worst Case” und die möglichen Konsequenzen vor Augen zu führen, kann den Schock lindern helfen, wenn es denn eines Tages soweit ist. Dabei geht es mir persönlich vor allem um Gefühle.
Mein Glaube: Jonathan Ive, Phil Schiller, Bob Mansfield und all die anderen werden den Laden weiter rocken, wenn Steve einmal abtritt, aber sie brauchen dazu vor allem eines – das Vertrauen der Macianer. Und das Bewusstsein, dass wir im Laden nicht Steve kaufen, sondern ein Apple-Produkt, erdacht, entworfen und realisiert von einem Haufen Leute, die nicht spontan mit Steve von dieser Erdkugel verschwinden werden. Wir treffen unsere Entscheidung für oder gegen ein iPhone oder ein MacBook ja nicht aufgrund charismatischer Praesentationen in Cupertino oder San Francisco, sondern weil es einfach gute Produkte sind, die auf dem Markt eine ganz eigene Daseinsberechtigung haben. Dass Apple dazu bisher eine ganz eigene und einzigartige Show gemacht hat, und das ganz ohne schwitzenden Affen, ist ein nettes Goodie, aber nicht der Kern des Erfolgs.
Ich glaube auch nicht, dass die Apple-Konsum-Vibrations mit dem Abgang des CEO plötzlich nachlassen. Was war das doch für ein Gefühl… jahrelang bin ich ganz ohne Apple-Produkte ausgekommen (nachdem ich nach OS 8.5 die Mac-Welt verlassen habe), dann kam 2006 mit dem Intel-Mac Pro das perfekte “All in One” (Mac, Windows, Unix) ins Haus und spaeter Macbook Pro, Mac mini, diverse iPods und ein iPhone dazu. Ich würde mir auch noch einen iMac kaufen und noch mehr iPods, wenn ich das nur irgendwie vor meiner mentalen Finanzverwaltung rechtfertigen könnte. Apple ist sexy, Apple macht Spass, Apple ist einfach geil (mal von unverzeihlichen Glossy- oder Firewire-Fehltritten abgesehen). Natürlich konnte und kann ich auch das Missionieren nicht lassen, habe aber zur Vereinfachung meine Antwort auf die vielgestellte Frage, was denn nun am Mac so toll sei, mal in Form gebracht.
Nein, ich habe keine Angst um Apples Produkte und deren Kraft und Inspiration. Ich fürchte vielmehr das haemische Grinsen der uninspirierten und phantasielosen Mitbewerber, wenn es eines Tages soweit ist. Gerade jene werden den Gerüchten und Gefühlen Nachschub verleihen wollen, dass es mit einem Abgang Steve Jobs’ auch mit Apple bergab geht, gehen muss. Sie werden sich die Finger lecken für dieses “Geschenk”, für das sie selber nichts tun müssen, nachdem sie laengst erkannt haben, dass sie es innovatorisch sowieso kaum mit dem Obst aus Cupertino aufnehmen können. Die Plattitüden von Schweissbacke Ballmer, der ja auch über jenes iPhone herzog, dass inzwischen zu einer Erfolgsgeschichte wurde, könnten zu viel Substanz bekommen, wenn wir nicht mit all unserer Überzeugung und unserem Vetrauen entgegenhalten.
Es wird eine harte Probe werden, wann immer sie auch kommen wird, und ich hoffe nur, sie wird nicht an den bescheuerten Aktienmaerkten entschieden, wo ja jeder schon rumpienzt, wenn der CEO mal hustet.
Die Apple Community ist eine rasant wachsende Gemeinschaft, was ihr (das hat sie wohl mit der Schwulenbewegung gemeinsam) leider immer nicht gut getan und manche Gruppendynamik eingebracht hat. 10 Leute müssen zusammenhalten, aber 100 spalten sich schon in Grüppchen.
Dem Redmonder Riesen aber können wir nur gemeinsam entgegentreten.

